Selbstexperiment

Zeitpunkt für das Experiment:

Das Selbstexperiment ist am einfachsten durchzuführen, wenn weder Weihnachten, Ostern, Valentin, Fasching, Geburtstage, Betriebsfeiern zu erwarten sind. Spätestens in der zuckerfreien Zeit fällt auf, wie oft Einladungen mit irgendeiner Form von Zucker oder Süßem verbunden sind.

1. Schritt: Entscheidung

Vor dem Experiment muss eine klare Enscheidung getroffen werden. Z.B.: "Ich möchte das Selbstexperiment durchführen!"

2. Schritt: Süßigkeiten entfernen

Süßigkeiten, Kekse, Kuchen, Zucker(-würfel), Kandis, Ahornsirup, Honig etc. aus Schränken, Ecken, Verstecken einsammeln, in eine (oder zwei) Tüte(n) packen und beim Nachbarn, der Nachbarin oder Freund oder Freundin deponieren.
Limo, Coca Cola, Fruchtsäfte, Energy-Drinks und andere offensichtlich süße (Erfrischungs-)Getränke ebenfalls "verbannen", wegschütten oder verschenken.

3. Schritt: Detektivarbeit

Suche nach verstecktem Zucker. In der Regel haben Nahrungsmittel, die anstelle von gesüßten Nahrungsmitteln gerne gegessen werden, versteckten Zucker, heißt: Die Sucht sucht sich ihren Zucker und findet ihn auch ;-)  (siehe Sucht und Zuckerarten und Zuckermengen)  

4. Schritt: Zuckerfreie Nahrungsmittel besorgen (einkaufen)

Beim Einkaufen darauf achten, dass Fertigprodukte nicht zuviel (versteckten) Zucker enthalten.
Wichtig: Wenn Zucker, Dextrose, Maltose oder ähnliche Zuckerbezeichnungen (s. Liste) weit vorne in der Zutatenliste steht, ist viel davon drin. Eine Mengenangabe ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Hier gilt das Ranking oder die Hierarchie (an 1. Stelle ist viel, an letzter Stelle wenig).

Der Zuckeranteil, der bei den Kohlenhydraten ausgewiesen ist, sollte auch gering sein. Da hilft ein Vergleich mit ähnlichen Produkten.

5. Schritt: Zuckerfreie Ernährung

Allgemein lässt sich empfehlen: möglichst viel selber kochen und Fertiggerichte vermeiden.  Keine Obstsäfte, Smoothies etc. sondern Wasser und eventuell Tee oder Kaffee ohne Zucker.

Empfehlenswert sind: Gemüse, Fleisch, Fisch, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Eier, Joghurt ohne Zusatz, Käse, Avocado, Nüsse (ohne Salz etc.), Oliven, Wurst (Achtung da ist auch einiges an Zucker drin), Brot, Brötchen (da auch auf zugesetzten Zucker achten)

6. Schritt: Selbstbeobachtung

Wie gehts mir "mitohne" Zucker?

Während der zuckerfreien Zeit kann so einiges "passieren". Manchen hilft ein Zuckerfrei-Tagebuch, wo Empfindungen, Stimmungen, Träume aufgeschrieben werden können. Oder wie wärs mit einem Bericht und einer Diskussion in unserem Forum?

Vorsicht, damit ist auch zu rechnen:

Eine Zuckersucht zeichnet sich dadurch aus, dass sich hin und wieder Heiß"hunger" ("Gier") auf Süßes einstellt. Selbst ein dickes Käsebrot, lässt dieses Verlangen scheinbar nicht wirklich verschwinden. Möglicherweise hilft da etwas Obst, da ist der Zuckergehalt nicht so hoch oder Möhren.

Aufgepasst, viel Obst heißt viel Fructose und damit auch viel Zucker ...
Dieses Heisshunger-Empfinden ist je nach Stärke ein Hinweis auf die Sucht und kann geistig erfasst werden. "Schau an, so ist das also. Ich bin auch zuckersüchtig." In dieser Situation ist es interessant herauszufinden, was gerade passiert. Da können die Fragen "wie geht es mir?" "Was ist gerade gewesen, dass ich mich "belohnen" oder "trösten" möchte?" "weshalb möchte ich mich jetzt zudröhnen?" "Wie kann ich mein Wohlbefinden unabhängig von der Zuführung von Zucker beeinflussen?"

Stimmungsänderungen:

Wer seinen Zuckerkonsum einschränken oder komplett einstellen möchte, wird sich möglicherweise mit mehr oder weniger heftigen Stimmungsschwankungen auseinandersetzen müssen. Das kann ein Symptom für Entzugserscheinungen sein.
Empfehlenswert ist deswegen, die Menschen, die einem nahe stehen, über das Experiment zu informieren und auf mögliche Stimmungs"ausbrüche" vorzubereiten.

Weitere Auswirkungen:

Je nach Länge der zuckerfreien Zeit, ändert sich die Geschmackssensibilität. Dabei nimmt die Geschmacksintensität zu und auch das Süßempfinden. Süßes wird dann als noch süßer empfunden bishin zum unangenehmen bitteren Geschmack. Eine weitere Auswirkung kann sich im Essverhalten zeigen. Hunger und Sättigung werden eindeutig wahrgenommen. Der Stoffwechsel "normalisiert" sich und der Energiehaushalt ändert sich dahingehend, dass die "innere" Schwere einem leichteren Körperempfinden weicht und mehr Kraft zur Verfügung steht.

7. Schritt: Auswertung und Erkenntnisse für die nächsten 7 Tage/Jahre ...

Nach 7 Tagen Erfahrungen mit zuckerfreier Ernährung lässt sich erkennen, ob und wieweit eine persönliche Zuckersucht vorliegt. Beim Vorliegen einer Zuckersucht empfehlen wir, das Experiment auf 3-4 Wochen auszudehnen. Das ist der Zeitraum, der für einen "Zuckerentzug" allgemein ausreichend ist.

Und:

Wer das Selbstexperiment gemacht und festgestellt hat, dass dies einem Zuckerentzug gleichkommt, wird eventuell hinterher feststellen, dass nach Verzehr z.B. eines Stückes Kuchen oder Dessert die Verdauung "verrückt spielen" kann.

Neben Benommenheit und  motorischen Unregelmäßigkeiten kann sich auch Übelkeit einstellen, die wie Vergiftungsfolgen wirken.

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