Geschmacksentwicklung

Bildquelle: http://www.g-netz.de/Der_Mensch/sinnesorgane/geschmackssinn.shtml

Die Geschmacksentwicklung eines Kindes beginnt schon im Mutterleib.

Noch bevor der Fötus schlucken kann, entwickeln sich in der 7.-8. Schwangerschaftswoche die Geschmackszellen und in der 13.-15. Woche die Geschmacksknospen. Vermutlich aufgrund von Sekreten des Speichelsystems des Fötus werden die Geschmacksrezeptoren stimuliert. Dadurch sind die Voraussetzungen für differenzierte Geschmackserfahrungen bereits im Mutterleib vorhanden. Ein Versuch hat gezeigt, dass bei einer Injektion von Saccharin in das Fruchtwasser der Fötus vermehrt schluckt.

Ob die Präferenz für Süßes genetisch veranlagt ist, ist nicht ganz unumstritten: Allerdings weist "süß" auf Kalorien bzw. Energie hin, die zum Wachstum vermehrt erforderlich sind. Muttermilch hat eine leichte Süße, ist somit auch energiereich, was eine anfängliche Süß-Präferenz bestätigt.

Vorsicht ist dabei geboten, die Süßpräferenz von Babys als Begründung dafür zu nehmen, dass eine Vorliebe nach Süßem und der Süß-Hype bei Kindern, Jugendlichen und späteren Erwachsenen angeboren ist. Mit "genetisch" oder "angeboren" wird gerne argumentiert, wenn die Ursachen (z.B. bei Krankheiten oder Süchten) nicht enttarnt und bekannt werden sollen.

Die individuellen Unterschiede für Süßpräferenz werden auf Geschlecht und Geburtsgewicht zurück geführt. Wird weniger Energie gebraucht, ist die Präferenz geringer. Bei Neugeborenen sinkt die Präferenz für Süßes mit zunehmenden Alter.

Die weitere Geschmacksentwicklung ist abhängig von den familiären Nahrungsgewohnheiten. Wird Nahrung vorwiegend gesüßt gereicht, erfolgt damit eine "Prägung" auf Süßes. Bekommt das Neugeborene frühzeitig abwechslungsreiche Nahrung mit unterschiedlichen Geschmacksnuancen, wird eine differenzierte Geschmackentwicklung und -unterscheidungsfähigkeit gefördert. Babys, die nicht mit dauernd mit Süßen gefüttert werden und frühzeitig andere Nahrung bekommen, mögen Süßes nicht so gern oder lehnen es sogar ab. Kindern, denen vorwiegend Gesüßtes als Babys gereicht wurde, haben eine wenig entwickelte Geschmacksentwicklung und können auch wenn sie Süßes essen, dieses schwer erkennen bzw. unterscheiden.

Die eigene Stimmung bei der Nahrungsaufnahme sowie die der anwesenden Personen beeinflussen ebenfalls Geschmacksvorlieben. Speziell die Verbindung zwischen Belohnung und Süßigkeiten oder süße Speisen ist nachhaltig wirksam und bekannt. Die Verbindung von Süß mit Belohnung oder "Wertschätzung" lernen Babys und Kinder frühzeitig. Mit Süßigkeiten wird belohnt oder per Entzug bestraft. Besondere Anlässe zu Hause, im Kindergarten oder bei den Großeltern, werden i.d.R. mit Süßigkeiten und erhöhtem Zuckerkonsum gefeiert.

Werden angenehme Erlebnisse mit entsprechendem Zuckerkonsum oder süßen Geschenken verknüpft, reagieren Menschen konditioniert. Der süße Geschmack wird dann mit angenehmen Ereignissen verknüpft. Das fördert den Zuckerkonsum in Richtung "Zuckersucht". Die Süße ist erwünscht, die enthaltene Energie, die im Zucker enthalten ist, wir nicht gebraucht und der Stoffwechsel und das Gehirn mit Zucker überflutet und belastet.

Zucker hat eine gesellschaftlich anerkannte Rolle. Das Bestreben sich oder seine Kinder und Angehörigen ohne Zusatzucker zu ernähen oder ohne Zuckerkonsum zu feiern, scheint einer Aussage gleich zu kommen: „Ich gönne meinem Kind nichts und halte es bei Wasser und Brot!“

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